Rund um die Jobsuche

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Work und Travel in Australien, der Traum vieler junger Menschen. Mittlerweile gehört es ja fast zum Standard der deutschen Abi-Abgänger, ein GAP-Jahr in Australien zu verbringen. Meine beste Freundin Jenny und ich gehörten 2011 mit 25 und 26 bereits zu den eher älteren Semestern der Backpacker. Mit einem gut gepolsterten Budget in Australien ankommen ist das A und O, den Jobs wachsen auch dort nicht auf der Straße und Australien gehört bekannterweise zu den teuersten Ländern der Welt.

Als wir nach unserem sechs-wöchigen Asientrip in Australien ankamen, war der Preis-Schock noch einmal höher, waren wir doch die asiatischen Preise gewohnt. Schnell wurde uns klar, wir brauchen einen Job, um unseren Traum weiterleben zu können.

In Sydney angekommen und im Hostel eingecheckt, schmiedeten wir gleich Kontakte und ließen uns viele Tipps zur Jobsuche geben.

In meinen 9 Monaten in Australien hatte ich insgesamt vier verschiedene Jobs. Nur einen fand ich richtig schrecklich und den hab ich direkt am ersten Tag, noch der Mittagspause wieder geschmissen. Ja, Fundraising ist glaub ich nur was für bestimmte Menschen, für mich war das nix. Den Job selbst hatten Jenny und ich gleich in unserer ersten Woche in Sydney gefunden, über die Webseite http://www.gumtree.com.au und zwar als Fundraiser für Ways Fundraising. Ich glaub nur zwei Tage nach unserer Email-Bewerbung, hatten wir ein Vorstellungstermin und dann auch ein Training. Kurz darauf wurden wir schon auf die Straßen von Sydney losgelassen. Wie bereits gesagt, der Job war absolut gar nichts für mich und ich habe nur wenige Stunden nach Arbeitsantritt wieder gekündigt.

So verzweifelt war ich zum Glück noch nicht. Auch Jenny kündigte kurz darauf und schon ging die Suche weiter.

Durch Bekannte aus dem Hostel, meinem Lonely Planet und dem Ernte-Kalender für Australien, erfuhren wir, dass im Februar/März die Apfelsaison in Orange, NSW stattfindet.

Erntekalender: https://jobsearch.gov.au/job/search/harvest

Nachdem wir Sydney per Auto verlassen hatten, fuhren wir knapp 4 Stunden nach Orange, NSW. Auf dem Campingplatz knüpften wir Kontakte zu anderen Backpackern und ich bekam den Kontakt von einem Apfelplantagenbesitzer. Diesen rief ich am darauffolgenden Morgen direkt an und dieser hatte zum Glück noch Platz für weitere Erntehelfer.

Mein Traum für Australien war es ja, endlich ein anderes Arbeitsleben kennenzulernen, da ich nur das Büroleben kannte. Und dieser Traum sollte sich auch erfüllen.

Fruitpicking

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Insgesamt verbrachte ich fast 3 Monate auf der Apfelplantage in Orange und ich habe nicht einen einzigen Tag bereut. Es war sehr anstrengend und man musste wirklich schuften, damit man etwas verdienen konnte, da man meistens pro ‚bin‘, also pro riesiger Kiste bezahlt wird. Die ersten ein bis zwei Wochen waren unglaublich kräftezehrend, da ich körperliche Arbeit null gewohnt war, aber auch die Schmerzen vergingen irgendwann.

Wohnen tat ich während der gesamten Zeit in meinem Zelt, direkt neben der Plantage. Dort hatte der Besitzer, David, einen Platz für die Backpacker geschaffen. Wir hatten ein Bad, eine ausgebaute Scheune mit Küche, Sitzmöglichkeiten und Waschmaschinen und ansonsten Grünfläche für Zelte und Wohnwagen. Da ich als Kind schon jedes Jahr mit meinen Eltern zelten war, hat mich das Leben im Zelt auch gar nicht gestört. Ich fand es sogar sehr gemütlich und besser als im Hostel zu schlafen, wo ich von bis zu 7 schnarchenden Personen umzingelt bin.

Auch mit den anderen Leuten, die dort arbeiteten hatte ich sehr viel Glück. Es entstanden einige gute Freundschaften, die noch heute anhalten. David und seine Frau waren auch sehr toll und nach einer Weile durfte ich auch Arbeiten übernehmen, die stündlich bezahlt wurden sind, was sehr viel angenehmer war. Ich arbeitete entweder direkt auf der Plantage und pflückte tausende Äpfel oder ich arbeitete im ‚Shed‘, wo wir die Äpfel aussortiert haben. Einmal durfte ich die Frau des Chefs sogar mal mit auf den Farmers Market in Orange begleiten, wor wir die geernteten Äpfel verkauft haben. Das war sehr toll.

Dadurch, dass die Farm außerhalb der Stadt lag, brauchte man entweder ein Auto oder man musste sich eine Mitfahrgelegenheit suchen, um einkaufen zu können, oder den wöchtentlichen Scheck bei der Bank einzureichen. Damit hatte ich allerdings nie ein Problem, wenn ich in die Stadt musste, habe ich immer eine Möglichkeit gefunden dahin zu kommen.

Der positive Nebeneffekt an diesem ’spartanischen‘ Leben war, dass man eine Menge Geld sparen konnte. Die einzigen Kosten die ich zu tragen hatte, waren meine persönlichen Dinge, wie Nahrung, Kleidung, Getränke, etc. Ausgehen konnte man nirgendwo, um da die Kohle zu verprassen und Miete musste man auch nicht zahlen. Also perfekt um das Reisebudget aufzustocken!

Als Jillaroo (Cowgirl) im Outback

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Der wohl krasseste Job, den ich je in meinem Leben hatte und wohl auch haben werde. Im Juli, nachdem ich innerhalb von 2 Monate die Ostküste hoch gereist bin, neigte sich die angesparte Orange-Reisekasse langsam dem Ende und ein neuer Job musste her. Mittlerweile war ich in Cairns und da oben sahen die Jobs eher mau aus. Ich suchte wieder über Gumtree nach diversen Jobs, wurde aber nicht wirklich fündig. In Cafés oder Restaurants zu arbeiten, hatte ich eher weniger Lust und im australischen Winter, tummelten sich im tropischen Norden eh hordenweise Backpacker, sodass die Jobs schnell weg waren.

Ich ging also in ein Backpacker-Büro, namens Happy Travels, über die Webseite http://happytravels.com.au/ hatte ich von einigen interessanten Jobs gelesen und wollte mich dort mal erkundigen. In der Umgebung Cairns wurden meist Jobs in Roadhouses, Outback Pubs oder auf Cattle Stations angeboten.

Ich ging nun da hin und mir wurde ein Job als Jillaroo angeboten. Man musste sich bei Happy Travels registrieren und bei erfolgreicher Vermittlung eine Gebühr bezahlen, was ich noch in Ordnung fand. Mir wurde der Kontakt zur Cattle Station vermittelt und nach einem Telefonat hatte ich den Job schließlich sicher. War ich vielleicht aufgeregt!

Ich buchte also den Greyhound Bus bis nach Normanton, Queensland und von dort sollte ich von einem Mitarbeiter abgeholt werden.

Die Fahrt nach Normanton dauerte ueber 10 Stunden, die ich mit Schlafen und Film schauen verbrachte. Zu sehen gabs auch nicht viel, ausser ödes Land und ein paar Büsche. In Normanton wurde ich von Dean abgeholt und los ging es Richtung Farm. Dort wurde ich den Anderen vorgestellt, fünf Jungs und Sammy Jo, das einzige andere Mädel neben mir. Der erste Schock war erst mal, dass es keine Toilette gab, GAR KEINE! Also wirklich back to the roots und ab in die Büsche.

Die Arbeit auf der Rinderfarm war in verschiedene Tätigkeiten geteilt, es gab ‚Branding‘, wo wir die Kälber brandmarkten, piercten und geimpft haben. Dann ‚Drafting‘, wo die Rinder in verschiedene Gruppen geteilt wurden sind (also z.B. verschiedene Altersgruppen oder Geschlecht) und das wurde ohne Pferd gemacht und war für mich krass, weil ich echt Angst vor den ausgewachsenen Rindern hatte… Und dann schliesslich gab es das ‚Mustering‘, wo wir die Rinder eingetrieben haben oder zu irgendwelchen anderen Weiden lotsen mussten. Die Station auf der ich gearbeitet habe, heisst ‚Vanrook Station‘ und ist unglaublich gross! Um das Vieh einzutreiben benutzen die Leute da Motorräder, Quads, Pferde und sogar 2 Helikopter! Wir waren in 2 verschiedene Camps eingeteilt, einmal die Festangestellten, die im Hauptcamp lebten und dann halt mein Camp, was 25 km entfernt von Vanrook liegt und zwar mitten in der Wildnis. Die Leute im Hauptcamp (Vanrook Station) hatten es echt gut, mit Strom, Toiletten, ordentlichen Duschen und sogar Internet, davon konnte ich nur träumen😉

Jeden Morgen ging es gegen 5 Uhr raus und als Wecker diente der Generator, der dann angeschmissen wurde. Dann frühstückten wir (es gab jeden Morgen Toast und darauf schmierte wir die Fleischreste vom Vorabend) und bereiteten ein Sandwich für mittags vor. Mit dem Pickup fuhren wir dann immer dahin, wo wir gerade gebraucht worden sind (also entweder halt zur ‚Yard‘, was so ne Art Offenstall ist oder halt mit dem Pferdetruck zur Weide). Beim Branding musste ich die Kälber mit so einem Zeug besprühen, denen ne Spritze verpassen und dann noch den Haarbüschel vom Schwanz abschneiden, damit man weiß, dass die geimpft wurden. Die anderen haben sie dann noch gepierct, denen die Hörner abgeschnitten und denen ein Branding verpasst (ich werd diesen Geruch nie vergessen…).Die männlichen Kälber ‚Mickeys‘ wurden dann auch noch kastriert.

Etwa 4 Mal die Woche war dann die Arbeit mit den Pferden angesagt und das war echt das Einzige, was mir dort wirklich Spass machte. Eigentlich hatte man mir ja in Cairns versprochen, dass ich etwas Training bekomme, weil ich ja nicht so viel Reiterfahrung hab, aber ich wurde direkt ins kalte Wasser geschmissen und ritt gleich mit den anderen mit. Mein Pferd war Oscar, das groesste Pferd von allen, aber wohl auch das ruhigste. Beim Aufsteigen hab ich mir jedes Mal fast die Hüfte ausgerenkt, weil der so riesig war! Hatte es  aber eigentlich ziemlich schnell raus, wie ich mit ihm umgehen muss und mich dann schon bald getraut mit ihm im Trab und später im Galopp zu reiten.

Beim Mustering wurden die Rinder erst mit dem Helikopter eingetrieben und als die Herde dann komplett war, haben wir schliesslich übernommen. Mit Motorrädern, Quads und Pferden haben wir sie dann angetrieben und auf ging es Richtung Stall oder zu einer anderen Weide. Ein Reiter war dann immer vorne dran, dann folgten die Kühe und hinten am Schluss hatten wir 2-3 Reiter (wo ich immer dabei war) und an den Seiten die Motorraeder. Besonders spannend war es meistens nicht, denn wir mussten einfach nur hinter den Viechern her reiten und diese halt antreiben weiterzulaufen. Am Schlimmsten war es, wenn ganz kleine Kälber mit in der Herde waren, da diese unglaublich langsam waren. Etwas Action kam dann aber auf, wenn sich eine Kuh gedachte abzuhauen und wir diese wieder einfangen mussten. Wenn die Kühe zu schnell waren, dann waren die Motorräder dran, die haben uns auch immer beim Antreiben geholfen, da die Kühe mehr Angst vor diesen hatten, als vor den Pferden und unseren Lauten, die wir abgeben mussten, damit die sich schneller bewegen. Am Nervigsten fand ich es, dass wir immer wieder lange Pausen einlegen mussten, wenn wir zum Beispiel viele Kälber dabei hatten und ich manchmal eine Stunde auf Oscar saß und auf die Kühe starren musste, damit die beim Grasen nicht zu weit von der Herde weggehen. Vom Pferd runter während dieser Tage kam man fast nie und mir tat echt alles weh Ich glaub im Schnitt saß ich da so 10 – 12 Stunden im Sattel und das war ziemlich anstrengend. Wir sind auch so ziemlich durch alle Geländearten mit denen geritten, durch Sümpfe und Bäche oder durch den Busch zwischen Bäumen entlang. Einmal hatte ich nach nem Ritt unterm Baum lang, ne riesige Spinne auf meinem Arm sitzen, abartig!

Gearbeitet haben wir eigentlich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und die ersten 2 Wochen hab ich da mein Zelt nur im Dunkeln sehen können. Nach der Arbeit waren erst mal die Tiere dran. Die Pferde wurden abgesattelt, abgeduscht und das Futter zubereitet. Danach gabs immer ein paar eiskalte Bier und wir kochten dann in der Campingküche und es gab echt fast nur Fleisch.

In meiner Zeit dort wurde ich ein paar Mal von den Kühen angegriffen. Beim ersten Mal war ich grad dabei nach dem Branding aufzuräumen und war allein in so nem Gehege, als ich auf einmal Schreie hoerte. Als ich mich umdrehte sah ich wie so ne riesige Kuh auf mich zu stürmte, diewohl etwas durch gedreht war. Zum Glück hat das Vieh mich nur am Oberschenkel erwischt und ich bin dann den Zaun hochgesprungen. Dann beim ‚draften‘ ist es auch nochmal passiert, da musste ich nämlich die erwachsenen Kühe dazu bringen in ein anderes kleines Gehege zu gehen. Ich hab mich dann schliesslich geweigert zu denen ins Gehege reinzugehen, weil ich einfach so ne Angst vor den ausgewachsenen Rindern hatte und kein Lust hatte, dass dann wirklich was passiert.

Was hab ich da noch so erlebt? Mit dem Pferdetruck sind wir einmal im Outback gestranded und es hat fast 2 Stunden gedauert, bis wir mal gefunden worden sind (zum Glück gab es Funk und wir hatten irgendwann mal jemanden erreicht). Einen Buschbrand gab es auch noch, denn während wir alle auf Arbeit waren, ist irgendwas in einem Wohnwagen durchgebrannt und hat ein Feuer ausgeloest. Der Caravan war abgebrannt, zum Glück ist das nicht bei Nacht passiert. Wir anderen hatten echt alle Glück, die Brandspuren hörten quasi einem Meter vor meinem Zelt und auch vor den Unterkünften der anderen.  Hätte gar nicht gewusst, was ich hätte machen sollen, denn ich hatte ja wirklich mein ganzes australisches Hab und Gut da drin.

In den letzten paar Tagen im Camp hatten wir dann endlich mal bei Tageslicht Feierabend und ich ging mit Welpe Elton in den Busch, um dort mal in Ruhe zu lesen. Dort sah ich neben Wildschweinen, Wallabees und Kangaroos auch ein paar Leguane und sogar ne Schlange.

Die Entscheidung, meinen Aufenthalt dort doch schon nach so kurzer Zeit abzubrechen, hatte mehrere Faktoren. In Cairns wurde mir gesagt, dass ich pro Tag 100 Dollar bekommen wuerde (inkl. Unterkunft und Verpflegung), letztendlich waren es dann aber nur 70 $, was für diese Arbeit natürlich ein Witz ist, wenn man bedenkt, dass ich da meistens über 12 Stunden geackert hab. Dann hat es mit den Leuten da leider auch nicht so hingehauen. Die waren wirklich alle super nett zu mir und so, aber ich hatte mit gar keinem dort irgendwas gemeinsam und war halt der Backpacker. Mit Sammy kam ich gut aus und wir quatschten auch hin und wieder mal, aber ansonsten kamen echt keine Konversationen auf.

Dann kam noch die totale Isolation dazu, die mich echt störte. Ich hätte ja nicht mal jemanden anrufen können, wenn da was gewesen waere.

Hatte echt lang ueberlegt, aber mich dann nach 2 Wochen dazu entschieden, meine Zeit da nicht zu verschwenden und hab mit dem Chef gesprochen und ihm gesagt, dass ich weiterreisen möchte und er hatte Verständnis. Mir wurde sogar angeboten, mit dem Postflugzeug zurück nach Cairns zu fliegen, was ich natürlich dankend angenommen hatte. Es war ein grandioser Abschluss einer sehr krassen Zeit, mit einem winzigen Flugzeug, über das Outback zu fliegen.  Ich bin froh und auch ein wenig stolz, diese Erfahrung gemacht zu haben, obwohl ich es nicht nochmal machen wuerde. Hab Leute kennen gelernt, die ich wohl sonst nirgendwo treffen würde, hab gelernt richtig zu reiten und mal wirklich abseits der Zivilisation gelebt, was auch mal ein Erlebnis ist.

Job im Outback Pub

 

 

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